Die Geschichte von Wölpinghausen und seiner jetzigen Ortsteile Bergkirchen, Wiedenbrügge und Schmalenbruch-Windhorn

Die Geschichte der Orte Wölpinghausen, Bergkirchen und Wiedenbrügge/Schmalenbruch wurde im Rahmen der Dorferneuerungen in den Jahren 1993 und 1994 durch das Planungsbüro Stadtlandschaft, Frau Karin Bukies, aufgearbeitet. Aus den dabei erstellten Dorferneuersplänen stammen nachfolgende Ortsgeschichten:

 


 

Wappen Wölpinghausen

Geschichte Wölpinghausens:

Von grundlegender Bedeutung für die Ausprägung des heutigen Erscheinungsbildes eines Ortes ist seine geschichtliche Entwicklung. Im Zusammenhang mit den landwirtschaftlichen Gegebenheiten sind hier die Wurzeln für das jeweils Besondere eines Ortes zu suchen. Die folgende Darstellung zur Ortsgeschichte Wölpinghausens beruht in großen Teilen auf dem Text von G. Lemke: Geschichte des Ortes Wölpinghausen (Schaumburger Heimathefte Nr. 15, 1968).

Wann Wölpinghausen erstmals besiedelt wurde, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Möglicherweise hat es in germanischer Zeit im Bereich des Flurstücks "Buchhof" zwischen Wölpinghausen und Bergkirchen einen Edelhof gegeben. In den von dichtem Wald bedeckten Rehburger Bergen entstanden in der sächsischen Periode zwischen 500 und 800 n.Chr. Kleinsiedlungen von 2-3 Gehöften. Als eine solche Kleinsiedlung entstand auch Wölpinghausen im Bereich der Niedern Kuhle an siedlungsgünstiger Lage mit frischem Wasser (Quellen und Teich).

Der Höhenrücken der Rehburger Berge diente als Wegeverbindung zwischen den nassen Niederungen des Dülwaldes und des Steinhuder Meeres. Aufgrund dieser günstigen Lage wurde Wölpinghausen im Zuge der fränkischen Eroberung als Vogtei für die umliegenden Orte bestimmt und dem Bistum Minden unterstellt. Das aus ursprünglich 3 Gehöften bestehende Dorf vergrößerte sich bis 1100 auf 8 Meierhöfe und einen neunten Hof (vermutlich Sitz des Domvogtes).

Ein Wachstum der Siedlung setzte vergleichsweise spät ein; so war das jüngere Bergkirchen zeitweise größer als Wölpinghausen. Während des 15. Jahrhunderts kam es zu einer geschlossenen Neusiedlung durch 11 Großköther, die ähnlich einer Hagensiedlung durchgeführt wurde. An das vorhandene Haufendorf lagerten sich an den zum Dorf hinausführenden Wegen sowie am Nordrand weitere Höfe längs der Straße an. Auf die Ähnlichkeit mit einer Hagensiedlung deutet auch das Amt eines "Hachmeisters".nt wurde der Ort als "Welpingehusen" im Jahre 1286, als das Bistum Minden die Vogteirechte an die Grafen von Schaumburg abtrat. Das Land blieb jedoch Eigentum des Domkapitels. Die Wölpinghausener Meier hatten im Vergleich zu benachbarten Orten eine Sonderstellung: das Abhängigkeitsverhältnis zur Kirche war nicht zu bedrückend - an Abgaben wurde nur der Zehnte gefordert. Gleichzeitig war der Schutz des Landesherrn durch den Drosten zu Sachsenhagen gegeben. Erst als ab 1500 immer mehr Land im Gebiet von Sachsenhagen urbar gemacht wurde, entstanden weitere Abgaben und Leistungen an das Haus Sachsenhagen.

Die auf dem Kamm angelegte Hofstelle Nr. 17 entwickelte sich aufgrund der dort vorhandenen guten Weidemöglichkeiten für Schafe zur herrschaftlichen Schäferei. Außerdem wurde ebenfalls auf dem Kamm an der Straße gegenüber der Zollschranke der Wölpinghäuser "Krug" eingerichtet, der insbesondere den hier entlang reisenden Bremer Kaufleuten als Rastplatz diente.

Im Rahmen des allgemeinen Bevölkerungswachstums im 16. Jahrhundert verdoppelten sich zwischen 1534 bis 1606 die Hofstellen durch 16 Kleinköther und 3 Beisitzer. Auf dem Südhang des Wölpinghäuser Berges befand sich nun ein geschlossenes Dorf. Durch die Pestepedemie sowie vor allem die Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurden in der Folgezeit jedoch von den 39 Hofstellen 20 zerstört (1639). Der Westfälische Frieden 1648 teilte die Grafschaft Schaumburg; Wölpinghausen kam mit Bergkirchen zum Amt Hagenburg. In den folgenden Jahren erfolgte ein rascher Wiederaufbau und ein Wachstum um 40 %. Die wüst gefallenen bzw. abgebrannten Höfe wurden dabei z.T. an anderer Stelle wieder aufgebaut. Dazu kamen 15 neue Hofstellen. Fast alle Hofstellen ab Nr. 38 wurden nun auf dem Nordhang errichtet. Im Jahre 1685 gab es neben den 8 Meierhöfen und 11 Großköthern 6 Kleinköther (einschließlich Krug und Junkerhof), 17 Brinksitzer und 13 Straßen- oder Beisitzer. Um diese Zeit wurde auch die erste Schule in Wölpinghausen eingerichtet.

Im 18. Jahrhundert fand aufgrund der schlechten Wirtschaftslage nur ein langsames Wachstum statt. Bis 1799 gab es nur 7 weitere Neugründungen. Erst nach Beendigung der Freiheitskriege setzte ab 1815 eine neue Bautätigkeit ein. Die Siedler ließen sich nun hauptsächlich abseits des Dorfes nieder. Gleichzeitig wurden aus Platzgründen einige Höfe aus dem Dorf verlegt. So entwickelten sich die heute für Wölpinghausen charakteristischen Streulagen "Berghol", "Spießingshol", "Hinter dem Berge" usw., die das Siedlungsbild stark veränderten.

Bereits 1816 erhielt Schaumburg als eines der ersten Fürstentümer Deutschlands durch Fürst Georg Wilhelm eine Verfassung, die den Gemeinden eine größere Eigenständigkeit gab. Eine der wichtigsten Veränderungen war die Ablösung von der Grundherrschaft, die in vielen Landstrichen zur Verschuldung der Bauern und deren Abwanderung in die Städte führte. in Wölpinghausen hat es diese Härten offensichtlich nicht gegeben; alle Hofbesitzer konnten die Ablösesummen fristgemäß bezahlen.

Im Krisenjahr 1847 veranlasste Fürstin Ida die Errichtung des Wilhelmsturmes als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die hungernde Bevölkerung.

Parallel zur Ablösung erfolgte die Verkoppelung, die einschneidende Veränderungen für das dörfliche Leben mit sich brachte. Der Flurzwang, d.h. die erforderliche Abstimmung in der Bewirtschaftung der Felder, entfiel und veränderte damit das dörfliche Gemeinschaftsleben. Das Gesicht der umgebenden Landschaft änderte sich ebenfalls gravierend: Anger- und Brachflächen verschwanden durch die Aufteilung der Allmende; durch die neue geometrische Einteilung wurden Hecken und Gehölzgruppen entfernt; es wurden Gräben angelegt und Bäche begradigt. Der feuchte Eichenwald "Schweinebruch" wurde um 1890 gerodet und entwässert und in der Folgezeit mit mehreren Hofstellen besiedelt.

Durch diese Veränderungen verbunden mit Bodenverbesserung, Einsatz von Kunstdünger, die Ausdehnung des Kartoffelanbaues und die Einführung der Zuckerrübe steigerte sich allmählich der Wohlstand der Bauern. 1906 wurde die Molkerei eingerichtet. Durch die stetig steigende Bevölkerungszahl wurde 1907 der Bau eines neuen Schulgebäudes erforderlich. Lehrer Eberling legte hier auf der Kuppe einen weit bekannten Stein- und Staudengarten an.

Bis zum Ersten Weltkrieg entstand pro Jahr eine neue Hofstelle. Eine weitere Siedlungsvergrößerung erfolgte in den 20-er Jahren durch die "Siedlung" für die Bergarbeiter an der Bergholer Straße.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich die Bevölkerungszahl durch die Aufnahme von Flüchtlingen, für die die Gemeinde zwei Häuser baute. Da zunächst kein Bauland zur Verfügung stand, wanderte ein Teil von ihnen wieder ab. 1960 wurde die Siedlung "Westerfeld" entwickelt. 1972 wurde Wölpinghausen im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform mit Bergkirchen, Wiedenbrügge und Schmalenbruch als Gemeinde Wölpinghausen innerhalb der Samtgemeinde Sachsenhagen zusammengeschlossen.

 Geschichte Bergkirchens:

Trotz seiner einmaligen Entwicklung gibt es erstaunlicherweise bisher keine Chronik zu Bergkirchen. Durch die Kirchenbücher steht zwar umfangreiches Material in den Archiven zur Verfügung (z.B. der Landeskirche), das leider bis auf die Geschichte der Kirche selbst noch nicht verarbeitet wurde. Es wäre wünschenswert, wenn sich Geschichtsforscher hier künftig betätigen würden. Die Darstellung des folgenden, leider sehr lückenhaften Abrisses beruht auf einigen wenigen Angaben aus der Ortschronik von Wölpinghausen sowie Darstellungen der regionalen Geschichte.

Bergkirchen entstand in der 1. Rodungsperiode des Dül-Waldes in der Zeit zwischen 800-1200 n.Chr. als vermutlich älteste Ansiedlung auf den Rehburger Bergen. Der Weg entlang des Kammes wurde lange vor dieser Zeit benutzt, um die nassen Niederungen des Dül-Waldes und des Steinhuder Meeres zu vermeiden. Wohl an der Stelle einer germanischen Kultstätte wurde zunächst eine Kapelle errichtet. Teile der heutigen Kirche entstammen dem 12. Jahrhundert. Es handelte sich um eine befestigte Fluchtkirche.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort als "Berkerken" 1174 in einer Urkunde des Bischofs Anno von Minden. Zwischen 1300 und 1500 waren die Herren von Münchhausen zeitweise Vögte von Sachsenhagen. Da Sachsenhagen damals keine eigene Kirche hatte, waren sie die Patrone der "Bergkirche". Wohl unter ihrer Schirmherrschaft entwickelte sich Bergkirchen als geschlossene Dorfanlage beidseitig entlang des Weges als Angerdorf. Bereits 1560 hatte Bergkirchen 88 ha und war damit größer als Wölpinghausen (G. Lemke: Geschichte des Ortes Wölpinghausen). Die Flurstreifen liefen - von der Straße ausgehend - zu beiden Seiten des Kammes hinab in die Ebene.

Die Entwicklung des Ortes wurde während des 17. Jahrhunderts durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges unterbrochen. Bergkirchen wurde mehrfach geplündert und litt unter hohen Kontributionen, die an die Schweden zu entrichten waren. Viele Höfe wurden zerstört oder fielen wüst. Erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 normalisierte sich das Leben wieder. Bergkirchen wurde durch die Teilung der Grafschaft Schaumburg zum Amt Hagenburg geschlagen. Die Kirche in Bergkirchen hatte nun Gemeinden in drei verschiedenen Ländern (Hessen, Braunschweig-Hannover und Schaumburg-Lippe). zum Kirchspiel gehörten Auhagen, Düdinghausen, Winzlar, Wölpinghausen, Wiedenbrügge, Schmalenbruch, Windhorn, Landwehr, Berghol und die Oberförsterei Spießingshol.

Ab 1750 wurde unter Graf Wilhelm die Zuwanderung von "Ausländern" gefördert, die Haus und Gartenland erhielten. Er führte auch verbesserte Anbaumethoden und neue Feldfrüchte (Kartoffeln, Kohl, Rüben usw.) ein. In einer Verordnung von 1774 wurden sehr genaue Hinweise zur Verbesserungen in der Landwirtschaft gegeben, insbesondere durch Meliorationsmaßnahmen, Anpflanzung von Obst und anderen Bäumen. Sehr gebräuchlich war im Schaumburgischen auch das Erdefahren (Auffangen von abgeschwemmtem Boden und Wiederaufbringung auf die Äcker). Der Graf förderte außerdem die Leinen-Verarbeitung, um der besitzlosen Schicht ein besseres Auskommen zu gewähren. So waren auch in Bergkirchen zahlreiche Hausweber für die Steinhuder Webereien tätig. Damals begann die enge Verflechtung von Handwerk, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft, die charakteristisch für die Wirtschaftsstruktur des Kreises Schaumburg-Lippe wurde. Das Gesetz über die Aufhebung der Leibeigenschaft erfolgte 1810, das jedoch noch nicht die Verbindlichkeiten (Hand- und Spanndienste) aufhob. Erst 1845 wurde das Gesetz zur Ablösung des Zehnten u.a. privatrechtlicher Reallasten erlassen.

Um die Jahrhundertwende erfuhr Bergkirchen durch den Steinbruch und das Bergwerk Zuzug von Arbeitern. Im Zuge dieser Entwicklungen entstanden in Bergkirchen eine Anzahl neuer Anwesen am Rande des alten Dorfes, insbesondere in Richtung Sachsenhagen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Bergkirchen zunehmend zum Wohnstandort. Im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform wurde die bis dahin selbständige Gemeinde 1974 ein Ortsteil der Gemeinde Wölpinghausen.

Geschichte von Wiedenbrügge & Schmalenbruch-Windhorn

Wiedenbrügge liegt im Bereich des "Dül-Waldes", der als großer Grenzwald zwischen mehreren Gauen bis in das 13. Jahrhundert erhalten war. Reste von ihm bestehen bis heute z.B. in Form des Waldes auf den Rehburger Bergen. Funde aus der jüngeren Steinzeit deuten darauf hin, dass das Gebiet um Wiedenbrügge schon recht früh besiedelt wurde. Als dauerhafte Siedlung entstand Wiedenbrügge jedoch erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Es wurde zur Regierungszeit von Graf Hildebold zwischen 1203-1228 planmäßig als Hagenhufendorf angelegt und gehörte zu den ersten Hagendörfern überhaupt im Bereich des Dül-Waldes. Als einzige Siedlung dieser Epoche lässt es jedoch die typische Einteilung der Hagenhufen vermissen, möglicherweise aufgrund des kargen Bodens. "Die Höfe der wenigen Siedler wurden derartig an einer kurzen Straße angelegt, dass jedem ein kurzes Stück Hausland hinter dem eigenen Gehöft blieb. Der Wald auf dem nördlich gelegenen Wiedenbrügger Berg wurde gerodet und das Feld in drei Bezirke gewannartig aufgeteilt. Die ungeteilten Stücke zwischen den Gewannen wurden gemeinsam als Angerflächen genutzt." (BLOHM, R.: Die Hagenhufendörfer in Schaumburg-Lippe, 1943, S. 66). Das Hagenhufendorf zeichnete sich ferner durch die "eingehagten" Wiesen aus: Hecken umgaben die Weiden und Wiesen, Hofgelände, Hausland, Kohl- und Baumgärten fassten die Triftwege und Straßen ein.

Die Siedler eines Hagenhufendorfes genossen i.d.R. eine Sonderstellung: neben der persönlichen Freiheit und der unbedingten Erbberechtigung gewährte das "Hägerrecht" eine weitgehende Selbstverwaltung die niedere Gerichtsbarkeit. Diese Sonderrechte bestanden in Wiedenbrügge offensichtlich nicht. Die Bauern waren seit dem 16. Jahrhundert Eigenbehörige der von Münchhausen zu Remeringhausen und unterlagen dem Meierrecht. Die sog. "Vollmeier" waren dem Grundherren gegenüber abgabe- und dienstverpflichtet. Sie waren die ersten Hofstellen, die i.d.R. die ertragreichen Böden unter sich aufteilten. Neue Hofstellen konnten in der Folge nur durch Teilung der vorhandenen entstehen ("Halbmeier") oder mussten sich am Rande des Dorferkernes niederlassen und minderwertigere Böden bestellen sowie ihr Vieh auf den Gemeinheiten weiden lassen. Dies waren ab Mitte des 16. Jahrhunderts die sog. "Kötner". Danach kamen die Brinksitzer, die nur über wenig Land verfügten und zur Existenzsicherung zusätzlich ein Handwerk ausübten. Die An- und Abbauern schließlich verdingten sich als Arbeitskräfte auf den großen Hofstellen.

In Wiedenbrügge gab es lt. Dr. KH SCHNEIDER (mündl.) nur Halbmeier. Der Ort vergrößerte sich im Laufe der Jahrhunderte nicht. Die Nachsiedlung durch Brinksitzer und Kötner im 16. Jahrhundert erfolgte nicht im Ort selbst, sondern durch die Anlage der Siedlung Schmalenbruch.

Als Ackerfläche stand für diese Siedler nur "Rottland", d.h. frisch gerodetes und beweidetes Land, zur Verfügung. Im Jahre 1732 gab es hier 3 Kötner und 8 Brinksitzer, jedoch keinen Meierhof. Windhorn war damals ein Einzelhof.

Ab 1750 wurde unter Graf Wilhelm die Zuwanderung von "Ausländern" gefördert, die Haus und Gartenland erhielten. Hiermit setzte sich in Schaumburg-Lippe die Tendenz der Kleinbauernstruktur fort. Der Graf förderte außerdem die Leinen-Verarbeitung, um der besitzlosen Schicht ein besseres Auskommen zu gewähren. Es begann eine Phase des Bevölkerungswachstums in Schaumburg-Lippe, die sich durch die Agrarreformen im 19. Jahrhundert fortsetzte. Mit Einführung von Kartoffel und Zuckerrübe, verbesserter Anbaumethoden, der Stallfütterung und der Erfindung des Mineraldüngers wuchs der Wohlstand der Bauern. Auch die Ziegelei mit zeitweilig 70-80 Beschäftigten führte zu einem Zuzug von Einwohnern (heutige Mülldeponie).

Im Zuge dieser Entwicklungen entstanden in Wiedenbrügge einige neue Anwesen am Rande des alten Dorfes. Auch in Schmalenbruch und Windhorn erfolgten Zusiedlungen. Insgesamt war der Zuzug jedoch vergleichsweise gering, was möglicherweise in der fehlenden Ausweisung von Bauland begründet lag.

Eine Besonderheit in Wiedenbrügge war der Solebrunnen, der seit 1238 bestand. Ab 1730 wurde er für die Salzgewinnung genutzt. Im 19. Jahrhundert wurde die Sole nach Bad Rehburg geliefert (1812-1900).

Einen entscheidenden Einschnitt für Wiedenbrügge und Schmalenbruch bedeutete der Bau der Kleinbahnlinie Wunstorf-Loccum im Jahre 1898. Die Bahnhöfe in Schmalenbruch und Wiedenbrügge brachten eine wirtschaftliche Blüte (Gewerbebetriebe, Molkerei). Daneben wurden die Dörfer nun auch als Ausflugsort für die Bürger Hannovers interessant. Die Hannoveraner wanderten z.B. vom Bahnhof Wiedenbrügge aus zum Matteschlößchen nach Wölpinghausen. Es bestanden mehrere Gaststätten, meist mit Außensitzplätzen, wie neben dem Bahnhof, wo die Nischen aus Sandstein heute noch sichtbar sind. 

Im Jahre 1939 zählte Wiedenbrügge ca. 200 Einwohner. Zu diesem Zeitpunkt gab es 16 Haupterwerbsbetriebe, 14 Nebenerwerbsbetriebe, 6 Handwerker und Gewerbetreibende sowie 19 Arbeiter.

Nach dem Krieg entwickelte sich Wiedenbrügge durch die relativ gute Verbindung nach Wunstorf zunehmend zum Wohnstandort. 1960 waren die Einwohnerzahlen auf 380 (Wiedenbrügge) und 100 (Schmalenbruch-Windhorn) gestiegen. Nach einer Phase der Stagnation ist in der jüngsten Zeit auch in Wiedenbrügge wieder ein leichter Anstieg der Bevölkerungszahlen zu verzeichnen.