Historischer Ortsspaziergang Sachsenhagen

Den unten abgebildeten Plan können Sie im Rathaus Sachsenhagen und bei Frau Anne Beckmann für 5 € erhalten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir hier nur beispielhaft die Bilder des Rathauses Sachsenhagen aufführen. Im Plan sind alle Objekte mit Bildern vertreten.

historischer Ortsplan1176 gehört das Gebiet um Sachsenhagen dem Bis­tum Minden, weil die Bischöfe durch eine Schen­kung des Edlen Mirabilis von Brocke (das Gut lag südwestlich von Stadthagen) das Hinterland dieses Gutes - das Dühlholz - auch als Ihr Eigentum ansahen.

Zwischen 1248 und 1253 baut Herzog Albrecht I. von Sachsen-Lauenburg eine Wasserburg südlich an der Sachsenhagener Aue um das Gebiet in Besitz zu nehmen. Der Übergang auf dem Weg von Hameln nach Nienburg und Verden über das Flusssystem der Aue/Leine ist hier über die Aue noch gefahrlos möglich. Die Burg dient als Stützpunkt zur Rodung und Kolonialisierung.
 
Der mittelalterliche Turm ist dank seiner massiven Bausubstanz noch gut erhalten. Der Turm ist das Wahrzeichen von Sachsenhagen und wird zu klassischen Musikveranstaltungen genutzt. Das Amtshaus zur rechten Seite wird privat genutzt.
 
Als Hagensiedlung liegt Sachsenhagen zwar auch an der Aue, aber bestimmt durch die Burg und Domänenanlage entwickelte sich Sachsenhagen zu einer Straßen/Haufensiedlung nahe der Burg.
 
1407 wurde der Siedlung „Sassenhag“ durch Graf Otto das Fleckenrecht gegeben und 1607 wurde das Rathaus errichtet. 1596 -1601 wird die Burg Sachsenhagen Residenz des Grafen Ernst von Holstein-Schaumburg und seiner Frau Hedwig.
 
1619, den 24. Okt. wird Sachsenhagen durch Feuer vernichtet, es überstehen nur das Rathaus und Teile des Schlosses sowie zwei Wohnhäuser den Brand. Kurz darauf werden viele Häuser durch Spenden des Fürsten und außerordentlichen Anstrengungen der Bürger neu errichtet. Die heutige „alte“ Bausubstanz stammt vorwiegend noch aus dieser Zeit.
 
Nach dem Aussterben der Schaumburger Grafen 1640 wurde 1647 die Grafschaft Schaumburg geteilt. Sachsenhagen, 1650 von der Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen zur Stadt erhoben, wurde mit Düdinghausen und Auhagen von der Landgrafschaft Hessen in Besitz genommen. Sachsenhagen, weitab des hessischen Herschaftszentrums  und im nörd­lichsten Grenzbereich gelegen wurde entwicklungsmäßig vernachlässigt. Die Burg verfiel zusehends.
 
Mit dem Stadtrecht war Sachsenhagen berechtigt eine Kirche zu bauen und jährlich drei Jahrmärkte durchzuführen. 1663 wurde die evangelische Kirche durch Spenden vieler Bürger und Städte am westlichen Stadtrand errichtet. Das Geld reichte nicht für einen Turm, sodass die gespendete Glocke und die Uhr im Rathausturm aufgehängt wurden. 1671 Vollendung einer einfachen Saalkirche mit gotischen Stielformen. 1976 wurde ein Kirchturm, gespendet von Frau Elisabeth Tunner-Hartmann, dem Kirchenschiff hinzugefügt.
 
Da die Ländereien der gräflichen Domäne den Ort umschlossen, konnte sich die Stadt räumlich kaum entwickeln. Vor dem Bergtor, nördlich der Stadtaue entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts das kleine Dorf Kuhlen das 1839 zu Sachsenhagen eingemeindet wurde.
 
Obwohl Sachsenhagen Stadtrecht hatte, blieb der Ort landwirtschaftlich geprägt. Die meisten Bürger lebten von einer kleinen Landwirtschaft und übten daneben ein Handwerk aus oder betrieben ein Handelsgeschäft.
Eine entscheidende Wende bedeuteten die Gesetze über die Ablösung von der Grundherrschaft, die Verkopplung und die Aufteilung der Gemeinheiten, die in Hessen zwischen 1832 und 1835 erlassen wurden, in deren Folge gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch eine Aufteilung der Domäne an die Bürger erfolgte. Die Stadt wurde entlang der Ausfallstraßen erweitert, insbesondere entlang Holztrift, Bergtrift, Dühlfeld sowie Sinkenbrink.
Um 1912 wurde der Mittellandkanal erbaut.
 
Nach dem 2. Weltkrieg entstand zunächst eine große Siedlung östlich der Bergtrift und eine weitere am Mittellandkanal. Später entwickelten sich umfangreiche Siedlungsgebiete nördlich der Straße Dühlfeld Richtung Auhagen und östlich der Bergtrift Richtung Bergkirchen.
 
Der Ortsname im Laufe der Zeit
 
1253 in castro Sassenhagen
1324 castrum  Sassenhagen
1380 in Sassenhagen
1431 tom Sassenhaghen
527 cum castro Sachsenhagen,
1567 vam Sassenhagen,
1659 außn Sachsenhagen 
(aus Schaumburger Studien Heft 51)
 
 

Erläuterungen zu den Einzelobjekten

1 Rathaus, Marktplatz 1
Rathaus heute

1b neuer Zustand

Rathaus früher

1a alter Zustand

1a alter Zustand:
Das Rathaus ist ein Sandsteinbau aus dem Jahr 1607, den Fürst Ernst stiftete. Zustand des Gebäudes um 1930, vor Einbau des seitlichen Arkadenganges in 1951: An der rechten Langseite sind deutlich die Konsolen eines ehemals hier vorhandenen Erkers zu sehen (heute nicht mehr vorhanden).
17. Jh. Rathaus, zweigeschossiger Bruchsteinbau mit Fachwerkgiebel
1607 wurde der Stadtkeller am Markt gebaut, das nach vielfältiger Nutzung schließlich zum Rathaus wird. Das Rathaus, dessen Gurtgesims noch eine durch Wasserschlag abgedeckte Hohlkehle aufweist, ist von der 1619 gemeldeten Feuersbrunst verschont geblieben. Über dem rundbogigen Eingang ist ein Stein mit dem schaumburgischen Wappen und der Inschrift: „ANNO 1607 DER STATKELLER“ eingemauert.
Der Fachwerkgiebel mit Turmaufsatz und Laterne gehört einem Umbau von 1712 an. Das Rathaus diente bis zur Erbauung der Stadtkirche 1690 auch als Bethaus.
1788 Errichtung eines neuen hölzernen Turmreiters. Nur der eine Giebel und der quadratische, mit Schindeln bekleidete Dachreiter, in dem das Geläut der turmlosen Kirche untergebracht ist, sind später in Fachwerk ausgeführt. Der Wetterhahn der achtecki­gen Laterne, die sich über dem niedrigen Zeltdach des Dachreiters erhebt, ist mit der Jahreszahl 1712 versehen. Die rechteckigen, zum Teil gekuppelten Fenster sind von einer Hohlkehle umrahmt.
1908 wird das Gebäude renoviert.
1929 Einbau einer neuen Uhrenanlage im Dachreiter.
 
 
1b neuer Zustand: Das ehemalige Ratszimmer wird als Standesamt genutzt. Im Jahre 2000 wird das Uhrwerk aus dem Dachreiter entfernt, renoviert und im oberen Geschoß neu auf­gestellt.
 

2 Haus Leimbach,
Marktplatz Westseite
2a alter Zustand: (Mittleres Haus auf der histori­schen Abbildung, das durch das neue Haus in Abb. 2b ersetzt wurde) Ein Fachwerk Vierständerhallen­haus, errichtet 1620 unmittelbar nach dem großen Stadtbrand 1619.
 
2b neuer Zustand: Errichtet als Gasthaus "Zur Post“. Nach 1900 kamen die Fachwerkhallenhäuser aus der „Mode" und wurden durch Massivbauten ersetzt. Das heutige Haus Leimbach entstand als Massivbau in typischer 20er Jahre  Bauform 1928 und ist mit seinem zentralen Erker in der Fassadenmitte ein be­deutendes Zeugnis seiner Zeit und dokumentiert mo­dernes Bauen.
 

3 Haus Asche,
Marktplatz Westseite, Marktplatz 7
2a rechts im Bild noch alter Zustand: 1808 inschriftlich errichtete Fachwerk  Hallenhauses. Seinerzeit bestand die zentrale Diele mit dem großen Tor noch.
 
3 neuer Zustand: Bei Bewahrung des Holzgerüstes einschließlich des Torbogens ist die Diele durch ei­nen Schaufenstereinbau für ein Geschäft verbaut.
 

4 Scheunenviertelhaus,
Holztrift  
4a alter Zustand: Sachsenhagen besaß neben Steinhude als einzigen Ort in Schaumburg ein aus Brandgründen außerhalb der geschlossenen Bebauung an­gelegtes Scheunenviertel, welches als solches bis­lang nicht bekannt war, jedoch bereits in der Chronik von Pastor Nothold in Lindhorst von 1625 als sol­ches genannt wird. Die Scheunen standen westlich der Kirche in der Holztrift. Erhalten hat sich ledig­lich eine heute als Wohnhaus ausgebaute Scheune, die sicher noch in die Zeit des großen Stadtbrandes 1619 zu datieren ist.
 
4b neuer Zustand: Auf dem Bild vorne rechts, das noch erhaltene aber renovierungsbedürftige Haus. Die Scheune links im Bild wirde vom DRK genutzt.
 

5 Haus Stünkel,
Marktplatz 10, östliche Marktplatz
5a alter Zustand: Stattliches Bürgerhaus, zweistö­ckiges Fachwerkhaus des 17. Jahrhunderts, eine In­schrift mit Datierung 1667 ist überliefert, von den Ausmaßen das größte alte Bürgerhaus Sachsenhagens, zugehörig eine anschließende erhaltene Scheune an der Gödenstraße. Ziegelfassade, heute überputzt, in spätklassizistischer Art um 1870. Das Haus ist ein schlechtes Beispiel für eine die Fassade zerstörenden Ladeneinbau im Bereich des Erdge­schosses und entstellt das Gebäude.
 
5b heutiger Zustand: Der Kernbau eingeschossiges Dielenhaus, dieser jedoch nur noch im hinteren Bereich erhalten: deutlich an der Gödenstraße ist eine unterkellerte Kammer erfassbar, der sich eine wei­tere nicht unterkellerte Kammer anschließt. Das Fachwerk in diesem Bereich eindeutig aus einer Bauphase und mit kräftigem Ständerwerk sowie un­ter der Traufe mit stark gefasten Balkenköpfen ganz in der Art der Zeit um 1620. Der vordere Hausteil wohl in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert als zweistöckiger Fachwerkbau neu errichtet mit dem die Fassade im Erdgeschoss völlig zerstörenden Schaufenstereinbau. Das historische Foto soll hier den ehemals vorhandenen Zustand anmahnen.
 

6 Haus Rabe,
Marktplatz 11, Neben dem Kirchgang, ehem. Schmiede.
6a alter Zustand: Sicher deutlich vor 1850 entstandenen Fachwerkbaues. Die Fensteraufteilungen in den heutigen Fassaden entsprechen offensichtlich dem historischen Zustand und lassen hoffen, dass unter der jungen Verkleidung das historische Fachwerkgerüst noch weitgehend unverändert erhalten ist.
 
6b  heutiger Zustand: ein Beispiel dafür wie viele alte Bauten heute durch Verkleidungen und Umbauten entstellt sind und nur schwer ihr Baualter und ihre Bedeutung preisgeben.
 

7 Haus Geweke,
Gödenstraße 13/14.
7a alter Zustand, Blick in die Gödenstraße von Os­ten. Backsteinbaufassade des Hauses Geweke noch nicht gestrichen. Meist giebelständige Häuser mit Dieleneinfahrten zur Strasse. Kopfsteinpflaster auf Strasse und Bürgersteig.
 
7b neuer Zustand: Am zentral abgebildeten Haus, einem Backsteinbau des späten 19. Jahrhunderts, deutlich der heute veränderten Außenanstrichs er­kennbar. Die einstigen Nachbarbauten sind heute völlig durch nicht in das Ortsbild passende Neubauten mit Putzfassade ersetzt.
 

8 Haus Gildner,
Petersilienstraße 8  (ehemals Leuna-Eßmann)
8a alter Zustand,  Lager- und Werkstattgebäude aus der Zeit um 1900 mit Vorbau für Flaschenzug oder Kran zum Heben von Säcken.
 
8b neuer Zustand, Auch Gewerbebetriebe befanden sich mitten in der Kleinstadt Sachsenhagen und ho­ben den Ort somit deutlich von einem reinen Bauerndorf ab.  
 

9 Mittelstraße,
 
9a alter Zustand, Blick von Osten in Richtung Rat­haus (ganz im Hintergrund am Turm zu erkennen). Meist giebelständige Häuser mit Dieleneinfahrten zur Strasse. Kopfsteinpflaster auf Strasse und Bürgersteig.
 
 9b neuer Zustand: Die Häuserzeile auf der Seite des Rathauses ist weitgehend im alten Zustand erhalten und gehört heute zu den wichtigsten historischen Fachwerkhauszeilen im Schaumburger Land, da ein Großteil der Bebauung aus der Wiederaufbauphase nach dem großen Stadtbrand 1619 stammt.
 

10 Gasthaus "Zum goldenen Löwen
". Obere Str. 21,.
10a alter Zustand, Gasthaus mit Saal. An der alten Abbildung wird deutlich, dass früher zahlreiche Gasthäuser in den Orten bestanden, deutlich mehr als heute.
 
10b neuer Zustand: Heute Wohnhaus, sonst noch weitgehend erhalten.
 

11 Petersilienstraße 1/3
11a alter Zustand,  Häuser aus dem 19. Jahrhundert. Typische giebelständige Fachwerkhäuser, Seitenfächer verputzt.
 
11b neuer Zustand: Bemerkenswerterweise weitgehend im alten Zustand erhalten.
Alle Fächer weiß gestrichen.
 

12 Obere Str.,
12a Bild um 1920 ,  12b Bild von 1957, 12c Ende 2004:
Häuser aus 3 Epochen, Blick von Osten.
Häuser die in Fachwerk - Vierständerbauweise zu­meist nach dem Brand im Jahr 1831 stammen. Im Vergleich der alten Fotos zum heutigen Zustand wird deutlich, dass vor allem das alte Kopfsteinpflaster der Straße durch eine Asphaltdecke ersetzt ist. 12a: rechts, Blick auf die Front der alten Schule (1856-1914).
 

13 Prinzhorn-Mühle
, ehemalige Windmühle, Bergtrift.
13a alter Zustand,  13b neuer Zustand:
1870 Bau der Prinzhorn-Mühle (Turmholländer mit Galerie) nördlich der Stadt, auch „Mühle vorm Berge“ genannt. Im Jahre 1882 wurde die Mühle per Dampfmaschine betrieben. 1932 wurde die Dampfmaschine durch einen Dieselmotor ersetzt. Es war die einzige Mühle mit zwei Mahlgängen für Weizenmehl und Futterschrot. 1952 wurde der Mühlenbetrieb aufgegeben. Die Mühle in der Königsberger Straße befindet sich heute in Pri­vatbesitz und wird als Wohnhaus genutzt.
 

14 Ratskeller und Marktplatz
Ostseite, Blick in Richtung Rathaus (jeweils ganz rechts zu sehen).
14a alter Zustand: Der Ratskeller diente lange als Hotel.  Früher auch Stadtkeller genannt. Das Gebäude wurde nach einem Brand in 1847 wieder aufgebaut und 1848 fertig gestellt. Lange Zeit offenbar mit Schiefer behängt. Vor dem Hause standen früher Tische und Stühle zum Speisen und Feiern oder nur zum Verweilen.
 
14b neuer Zustand: Das zentrale Gebäude auf der Ostseite ist der Ratskeller, Markt 8, 1988 freigelegt und saniert. Heute Neubau ohne historische Substanz mit Fachwerkfassade. Als Bürgerhaus genutzt, mit größerem Saal im Obergeschoss für diverse Veran­staltungen.
 

Nachsatz:
Die Auswahl der Objekte stellt keine Wertung dar. Ziel dieser Darstellung ist vielmehr ein Querschnitt noch erhaltener Zeugnisse aus historischer Zeit. Der Vergleich verschiedener Baustile und dessen Wer­tung soll dem Betrachter überlassen bleiben. Die Wertung im Text stellt die persönliche Meinung der Autoren dar. Neben den dargestellten Objekten gibt es in Sach­senhagen darüber hinaus noch viele weitere beach­tenswerte Beispiele, die aus Platzgründen nicht auf­genommen sind.
 
Impressum
 
Initiatoren:  AG Spurensuche der Schaumburger Landschaft, Heimatverein Sachsenhagen Auhagen
Autoren:     Anne und Theodor Beckmann
  Ulrich von Damaros
Fotos:         Heimatverein Sachsenhagen Auhagen
                    Frühjahr 2005
 
Weitere Verwendung nur mit Einverständnis der Herausgeber.